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De Zestig/120 van Texel am 25.04.2011
Geschrieben von: Administrator   

Udo Wegmann berichtet:

Zum fünften Mal lief ich heuer die 60 km um die westfriesische Insel Texel/Niederlande. Der Lauf findet nur alle zwei Jahre immer am Ostermontag statt. Ich habe eine besondere Beziehung zu diesem Lauf, war es doch 1999 mein erster Ultra. Der Lauf bietet alles: Straße, Wiesenwege, Deich und als absolutes Highlight zwei Strandabschnitte. Und diese hatten es heuer in sich – aufgrund der allgemeinen Trockenheit und der gerade herrschenden Ebbe bedeutet es ca. 15 km im losen Sand zu laufen. Hinzu kam die ungewöhnliche Hitze, so dass ich letztlich froh war überhaupt zu finishen, wenn auch mit meiner bisher schlechtesten Zeit von 06:32:59, was immerhin noch einen Platz im Mittelfeld bedeutete.



Rainer Koch war ebenfalls auf Texel, lief aber die 120 km, also zwei Mal um die Insel. Auch er hatte zu kämpfen und benötigte 12:31:58 Stunden.  Über seinen Lauf findet ihr mehr auf seiner Homepage. Ich habe aber noch einen Artikel seines Begleitradfahrers auf der ersten Schleife in der Texel’schen Wochenzeitung gefunden. Leider ging das mit dem Übersetzen nicht so schnell – hier ist aber meine Übersetzung:

Was Treibt einen Menschen, solche langen Strecken zu laufen?
Am zweiten Osterfeiertag um Viertel vor vier Uhr morgens stehe ich auf, um eine Gruppe Leute zu begleiten, die es sehr  nötig haben 120 km  um die Insel zu rennen.  Ich müsse wohl nicht alle Tassen im Schrank haben, um mich dafür herzugeben, hält mir ein Bekannter vor.  Dennoch bin ich einer der Narren. Wenn man einmal im Drehbuch von Martien Baars für die Zestig van Texel steht, gibt es kein Entkommen. So stieg ich mit noch 25 anderen auf der Radrennbahn auf mein Fahrrad, um in stockdunkler  Nacht hinter einer Horde Ultraläufer her zu radeln.

Rainer Koch war dieses Mal mein Schützling, ein freundlicher Läufer aus Deutschland mit einem passenden gelben Leibchen. Meinen Deutsch – Auffrischungskurs hätte ich gut bleiben lassen können: Er begrüßte mich auf Englisch, wies auf die Trinkflaschen, die er gerne angereicht haben möchte und verschwand in der Menge.

Bei Teilnahmen bei früheren Ausgaben legte ich ein Tempo von 10 Kilometern pro Stunde vor, somit also recht gemächlich. Bis ich beim Verlassen der Radrennbahn sah, wie das gelbe Leibchen in strammen Tempo sich nahe an  die Spitze geschoben hatte. Auch ich schaltete höher und im Slalom durch die Teilnehmer hatte ich ihn auf der Hälfte des Haffalderweges eingeholt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Jan-Albert Lantink bereits einen enormen Vorsprung; wir sahen ihn erst wieder  auf dem Rückweg nach dem 60 km Wendepunkt.

Nimm warme Kleidung mit, stand in der Begleitmail. Es kann tatsächlich kalt sein in der Osternacht. Aber nicht dieses Mal. Die Temperatur ist angenehm und als wir mit einem Tempo von 13 km/h Oudeschild passieren, erscheint in der Ferne schon der neue Tag. Normalerweise wird es erst hell, wenn wir beim Leuchtturm aufkreuzen, aber dank des späten Ostertermins geht die Sonne heuer früher auf. Es ist schön zu sehen, wie die Natur erwacht, wenn alles andere noch ruhig ist. Warum bin ich nicht öfter schon draußen, wenn die Natur am schönsten ist.

Wir haben alle Zeit der Welt zum plaudern. Rainer ist nicht irgendein Läufer. Er erzählt unter anderem von seiner Teilnahme an einem Ultralauf von Süditalien zum Nordkap. Durch sechs Länder, über 4.500 km, in 64 Etappen. Rainer brauchte hierfür ca. 378 Stunden und finishte als Sieger. Und auf seinem diesjährigen Programm steht das Trans American Footrace von Los Angeles nach New York über 3.200 Meilen  in 70 Tagen. Das erklärt freilich das elektrische TukTuk, indem ihm ein Filmteam folgt.

Ab und zu reiche ich Rainer einer Döschen mit Sportgetränk, doch viel kriegt er nicht runter. Ich frage ihn nach seinem heutigen Ziel. „Erst die erste Runde und dann sehen wir weiter. Aber eine Endzeit von 10 Stunden wäre schön.“ Was treibt einen Menschen, solche langen Strecken zu laufen? „Die Einstellung der Läufer auf diesen Stecken ist anders als beispielsweise beim Marathon, wo der Wettbewerb untereinander viel schärfer ist. In diesem Sport ist es vor allem ein Kampf gegen sich selbst. Und man sieht viel mehr.“ Er trainiert nur am Wochenende, unter der Woche ist er zu sehr im Stress. Hinzu kommt, dass er auch noch bei der freiwilligen Feuerwehr ist.

Wir nähern uns dem Leuchtturm und rechts über Vlieland sehe ich die Sonne. Wir passieren den Campingplatz Sluftervallei, der noch in tiefer Ruhe liegt. Ein Fasan schaut uns erstaunt an. Ebenso ein Frühaufsteher, der seinen Hund Gassi führt. Unterwegs verschwindet Rainer im Gebüsch für einen sanitären Stopp. Bereits zum zweiten Mal, aber mit einem Zwischenspurt holt er die anderen Läufer wieder schnell  ein. Was auffällt ist, dass sie alle einen eigenen  Laufstil haben. So auch der Engländer Colin Gell. Mit seinem Fahrradbegleiter Martien Witte stelle ich fest, dass dieser Laufstil schwerfällig wirkt. Wie ist es möglich, dass er so 120 km schafft? Aber er läuft beständig. Später höre ich, dass er ihn nach ca. 100 km vor sich gesehen hat.

Wo die Läufer auf den Strand laufen, nehmen wir den Radweg. Hatte ich die letzten Jahre jede Menge Zeit, musste ich dieses Mal den Kaffee trinken, um rechtzeitig wieder am Treffpunkt zu sein. Auf dem Weg nach Horsmeertjes begegnet uns Lantink, der da ungefähr 25 Minuten Vorsprung hat. Fünf Stunden nach dem Start erreicht mein Läufer den Wendepunkt. Meine Runde ist beendet. Ich übergebe den Proviant an meinen Nachfolger Furu Mienis und sehe das Paar auf der zweiten Runde in der entgegengesetzten Richtung in der Ferne verschwinden. Später am Tag sehe ich die Läufer daheim in der Kotterstraat in Oosterend vorbei kommen. Bei manchen kann man es kein Laufen mehr nennen. Aus der Endzeit von 12:31:58 erkenne ich, dass es auch für Rainer ein schweres Stück geworden ist.

Gerard Timmermann im Texelse Courant vom 28.04.20011
Aus dem Niederländischen (frei) übersetzt von Udo Wegmann